Marion Strehlow

Modedesignerin

Marion Strehlow ist Geist und Seele hinter der Modemarke STREHLOW, die sie selbst kreiert und zum Erfolg geführt hat. Sie tut das was sie liebt und was sie glücklich macht.

PV:
Marion, du bist Modedesignerin. Was hat dich angetrieben oder was treibt dich heute noch an?
MS:
Meine eigenen Sachen herstellen zu können. Sachen, die ich nicht kaufen konnte, die ich aber gerne gehabt hätte. So habe ich angefangen sie selber zu nähen. Jetzt ist mein Antrieb, dass ich alles nähen kann was ich möchte und ich will beweisen, dass mein Weg der Richtige war und ist.
PV:
Du bist nicht getrieben von der Liebe zu den schönen Dingen oder von dem Wunsch die Welt verschönern zu wollen?
MS:
Nein, das nicht. Ich glaube mein Antrieb ist relativ egoistisch. Ich liebe diesen Beruf wahnsinnig. Ich liebe dieses Leben, so wie ich es führe. Ich mache das nicht für andere, ich mache das für mich.
PV:
Wolltest du beweisen, dass du es schaffst?
MS:
Ja, aber das hört sich hart an. Ich wollte beweisen, dass es sich lohnt durchzuhalten.
PV:
Also bei sich zu bleiben?
MS:
Ich wollte beweisen, dass es sich lohnt durchzuhalten.

Dabei zu bleiben. Weiter an sich zu glauben und daran, dass es richtig ist. Das ist verdammt schwer. Gerade wenn man sehr jung ist. Alle sagen, wie willst du davon leben, was ist wenn du mal 60 oder 80 bist. Die Fragen stelle ich mir gar nicht. Ich bin froh, dass ich sie mir nicht stelle, weil ich dadurch im Hier und Jetzt bin. Es ist vielleicht naiv nicht daran zu denken. Aber ich hab auch nicht das Gefühl, dass ich das muss. Ich will gar nicht in Rente gehen.

PV:
Denkst du bei deinen Entwürfen nie an die Menschen, die sie tragen werden?
MS:
Meine Kunst war es kein Ziel zu haben.

Mittlerweile schon. Aber in erster Linie mache ich die Sachen für mich. In zweiter Linie denke ich dann daran, wie kann ich sie umsetzen, damit sie auch vielen anderen passen. Zum Beispiel liebe ich Stehkrägen. Da ich weiß aus der Erfahrung, dass viele Menschen das nicht mögen, weil sie dann Beklemmungen bekommen. Also frage ich mich, kann ich die in zwei oder drei Varianten machen, weil ich dann auch an meine Kunden denke. Tatsächlich steht aber immer an erster Stelle was ich haben möchte. Jetzt kommt die Sonne wieder, was möchte ich im Sommer tragen.

PV:
Wie lange machst du das jetzt schon?
MS:
Professionell seit 1999.
PV:
Wann hast du gemerkt, dass du Talent hast?
MS:
Schon während ich noch auf der Modeschule war, wurde ich auf meine Sachen angesprochen. Das war wider Erwarten oft so. Dann habe ich angefangen erste Teile zu verkaufen und habe dabei gemerkt, dass sie gut ankommen. Irgendwas war da, was Aufmerksamkeit erregt hat.
PV:
Um im Modegeschäft zu überleben, braucht man da außer Talent noch andere Qualitäten?
MS:
Ich glaube schon. Es wäre gut, wenn man noch so ein paar Sachen zusätzlich mitbringen würde, wie kaufmännisches Denken oder auch die Buchführungskenntnisse. Man sollte schon Spaß dran haben. Ich habe jetzt erst gelernt, dass so etwas auch Spaß machen kann. Ich glaube, dass man ohne Talent, aber mit kaufmännischem Denken mehr machen kann als mit Talent und ohne kaufmännisches Denken. Außer Talent braucht man auch handwerkliches Geschick und ein Gefühl für Stoffe.
PV:
Hattest du es leicht deine Vorstellungen zu realisieren, deinen Weg zu gehen oder war es schwer?
MS:
Weiter an sich zu glauben und daran, dass es richtig ist.

Meine Kunst war es kein Ziel zu haben. Zu keiner Zeit habe ich gesagt, ich möchte Modedesignerin werden. Es war immer so der Weg dorthin. Ich wurde auf der Straße angesprochen, kann ich das haben, wo kann ich das kaufen usw. Dann habe ich das für denjenigen genäht. Irgendwann haben Burda-Schnitte nicht mehr ausgereicht und ich wollte Schnitttechniken lernen. Darum bin ich auf die Modeschule gegangen. Dann habe ich Ela kennengelernt. Sie hat meine Sachen verkauft. Dann bekam ich den Förderpreis der IGEDO für Nachwuchstalente. Da habe ich nicht nein gesagt, mich selbständig gemacht und einen Gewerbeschein beantragt, den ich brauchte, wenn ich Kunden bedienen und meine Sachen an sie verkaufen wollte. Das war alles ungeplant. Von daher war mein Weg nicht schwierig. Was wirklich schwierig war und ist, das kann ich nur betonen, ist es bei sich zu bleiben. Sich nicht verunsichern zu lassen, auch nicht von schwierigen Zeiten. Das ist echt schwer.

PV:
Wie gehst du mit Kritik um?
MS:
Ich bin wirklich sehr empfindlich was Kritik angeht. Ich musste lernen mich zu distanzieren, wenn jemand nicht kauft oder sagt, das ist nicht mein Ding, was sehr selten vorkommt. Weil mir meine Sachen so nahe sind, bin ich dann echt traurig. Aber bei den meisten Sachen weiß ich einfach, dass sie, so wie sie sind, richtig sind.
PV:
Hattest du je Zweifel an deinem Weg?
MS:
Weil ich mich immer habe treiben lassen und ich nichts bewusst entschieden habe, habe ich mir einige Fragen einfach nicht gestellt. Ich war und bin immer zu sehr mittendrin.
PV:
Hat dich irgendwas beflügelt?
MS:
Ja, wenn Menschen kommen und sagen, ich trage diese Hose jetzt seit 20 Jahren und ich brauche mal wieder eine Neue. Die Kunden, der Erfolg. Wenn ich eine neue Kollektion gemacht habe und die kommt gut an, sprich die Leute kommen und kaufen, dann beflügelt mich das auf jeden Fall.
PV:
Wie weit lässt du dich denn überhaupt auf diese ganze Vermarktungsschiene ein? Was machst du um deine Sachen zu verkaufen?
MS:
Ich habe keinen Plan. Meist werde ich vermarktungstechnisch aktiv, wenn es fast zu spät ist. Jetzt gerade läuft sehr viel parallel. Ich gebe Interviews, plane Ausstellungen. Dann ebbt das wieder ab und ich denke, ich sollte mal wieder ….
PV:
Wo ist denn die nächste Ausstellung?
MS:
Jetzt im Mai ist wieder eine im Museum in Köln. Das macht großen Spaß. Eigentlich wollte ich nach der letzten Modenschau noch mal eine Ausstellung machen, aber ich konzentriere mich jetzt auf das MAKK.
PV:
Schöpfst du immer nur aus dir oder lässt du dich auch inspirieren?
MS:
Tatsächlich mache ich das alles aber, weil es mich glücklich macht.

Zurzeit laufen die ganzen Schauen und im Moment macht es mir total viel Spaß das alles anzugucken und es wäre naiv zu denken, dass mich das nicht inspiriert. Wenn ich jetzt hier sitze und gucke auf die Bluse, dann denke ich, du kannst doch mal versuchen den Unterkragen in einer anderen Farbe zu machen. Es gibt immer Sachen, an denen ich weiterarbeiten kann.

PV:
Hast du es geschafft oder spielt das gar keine Rolle mehr?
MS:
Ja. Ich habe tatsächlich das Gefühl, dass ich es zufällig geschafft habe. Das hat damit zu tun, dass ich mehr denn je wahrgenommen werde. Ich finde es schön, dass das was ich mache an den Menschen nicht spurlos vorübergegangen ist.
PV:
Hat sich irgendwas ganz anders entwickelt als du gedacht hast?
MS:
Ich hätte nicht gedacht, dass ich so viel Ruhe für meine Arbeit brauche. Ich dachte nicht, dass es so anstrengend ist. Ich arbeite am liebsten alleine und in Ruhe.
PV:
Fällt es dir schwer über deine Arbeit oder über deine Sachen zu sprechen?
MS:
Nein, Kunden wollen eigentlich nur wissen, ob ihnen die Teile stehen. Meistens wissen die das auch selbst. Wenn die den Weg dahin finden, dann brauche ich nicht wirklich zu erklären, ob es eine Philosophie dahinter gibt. Die kommen ja, weil die etwas gesehen haben, das ihnen gefällt.
PV:
Was sagst du, wenn dich jemand fragt, was du beruflich machst?
MS:
Modedesignerin, obwohl ich keine Mode im herkömmlichen Sinne mache. Ich mache Bekleidung, die lange getragen werde kann. Deshalb arbeite ich auch zum Beispiel mit gedeckten Farben. So gesehen ist es keine Mode.
PV:
Aber dann ist es doch eine Art Philosophie oder nicht?
MS:
Ja, manchmal denke ich das auch, denn eine Philosophie soll ja stets präsent sein, auch für mich. Tatsächlich mache ich das alles aber, weil es mich glücklich macht.
PV:
Hast du Pläne?
MS:
Mein neuster Plan ist es Pläne zu machen. Wirklich. Ich möchte mir einfach mal mehr Gedanken für ein Jahr machen, so dass ich nicht immer so überrascht bin.
PV:
Heißt das denn, dass du dich im Umkehrschluss in deiner Arbeit verlieren kannst?
MS:
Ja genau, das passiert mir sehr schnell.
PV:
Worin genau verlierst du dich?
MS:
Im Nähen. Für mich ist Nähen wie Yoga, absolut. Ich erschaffe etwas und das macht mich zufrieden und ruhig.
PV:
Die Linie, die du entwirfst und präsentierst ist sehr klar, entspricht das deiner Person?
MS:
Nein, da macht eher ein wirrer Kopf klare Linien.
PV:
Wenn Nähen für dich wie Yoga ist, bist du fokussiert. Kein Wunder also, wenn am Ende etwas Klares herauskommt.
MS:
Ja, tatsächlich. Das habe ich vorher gar nicht so gesehen.
PV:
Deine Sachen sehen aus, als würdest du auf ihre Wirkung vertrauen, ist das so?
MS:
Ja, keine Effekthascherei. Es passiert auch immer etwas mit den Menschen, die meine Sachen anziehen.
PV:
Wann ist man, allgemein gesehen, in der Mode erfolgreich?
MS:
Das kann nur jeder für sich selber entscheiden. Der eine sagt, man hat es erst geschafft, wenn man in zehn Läden vertreten ist mit seinem Label. Der andere sagte, erst wenn die und die Umsatzzahlen erreicht sind. Wenn ich andere betrachte, habe ich einfach andere Maßstäbe.
PV:
Was würdest du heute jungen Menschen raten, die Modedesigner werden wollen?
MS:
Super. Und in Düsseldorf bleiben. Ein, zwei Praktikanten, die bei mir waren, haben sich danach selbständig gemacht.
PV:
Hast du ihnen einen Rat mit auf den Weg gegeben?
MS:
Ich glaube schon, dass ich grundsätzlich ein positives Grundgefühl zur Selbständigkeit vermittelt habe. Dieses ganze Sicherheitsdenken führt doch zu nichts. Natürlich ist die Zukunft unsicher. Aber es ist auch nicht sicherer in einer Firma zu arbeiten. Ganz im Gegenteil. So hat man alles in seiner Hand. Das ist doch toll.
PV:
Hast du Wünsche für deine Zukunft?
MS:
Ich liebe dieses Leben, so wie ich es führe.

Ich möchte interessante, schöne Orte für die nächsten Ausstellungen finden. Ich wünsche mir mehr Modedesigner in Düsseldorf, die mit mir zusammen die Plattform für die Düsseldorfer Führungen bilden. Das Projekt heißt BEHIND THE SCENE und beschäftigt sich mit Atelierführungen für Einheimische und Touristen. Atelierbesuche bei Künstlern funktionieren ja auch gut. Wir brauchen einfach mehr Öffentlichkeit.

PV:
Wir wünschen gutes Gelingen und sagen, danke Marion, für das Interview.

http://marion-strehlow.squarespace.com/