David Holtkamp und Tina Husemann

THE DORF

Es geht tatsächlich, seinen Leidenschaften zu folgen und etwas so noch nicht Dagewesenes zu erschaffen, Tina und David sind der lebende Beweis.

PV:
Was seid Ihr? Journalisten, Detektive, Trüffelschweine, Werber, Unternehmer oder seid Ihr einfach nur sehr, sehr neugierig?
DH:
Tatsächlich ist mein Spitzname schon lange Trüffelschwein.
TH:
Ich finde die Frage super, weil sie alles zusammenfasst was wir sind. Mein Part ist dabei hauptsächlich die PR, aber natürlich sind wir auch Werber und Unternehmer. Es ist ein guter Mix und neugierig sind wir auf jeden Fall.
PV:
Wo liegen bei aller Begeisterung Eure Leidenschaften?
TH:
Unsere Leidenschaften sind Städtetrips, Musik und Menschen. Wir lieben es fremde Städte für uns zu entdecken und uns auf die Suche nach neuen Läden, Restaurants, Kunst, Design und irgendwelchen besonderen Dingen zu machen. Dann reisen wir auch zu bestimmten Konzerten in andere Städte. David hat eine Plattensammlung von über 2000 Platten.
DH:
Ich glaube knapp 4000.
TH:
Menschen sind dann eine weitere Leidenschaft von uns. Wenn man so etwas macht wie wir es tun, dann geht das ohne Interesse an Menschen gar nicht. Bei THE DORF und auch bei der PR geht es ja darum Geschichten von Menschen zu erzählen. Das Kommunizieren, das Geschichten erfahren ist halt wichtig und toll.
DH:
Wenn man so etwas macht wie wir es tun, dann geht das ohne Interesse an Menschen gar nicht.
Musik war und ist ein wichtiger Punkt im Leben. Die Kulinarik ist mir auch wichtig, also das Offen-sein für Essen. Gutes Essen tut einem selber gut und wenn Ambiente, Stimmung und Rahmen passen, kann es ein unvergessliches Erlebnis werden. Das habe ich von meinem Vater, der früher in seiner besten Zeit 2-3mal am Tag essen bzw. in ein Café/Restaurant gegangen ist. Dann ist es, wie Tina sagte, der Austausch mit Menschen, dem ich leidenschaftlich folge. Ich finde es gibt nichts Spannenderes innerhalb der eigenen Stadt als Leute aus den verschiedensten Bereichen kennenzulernen. Aber auch bei unseren Citytrips will ich die Locals kennenlernen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Da kriegst du die Insidertipps und kommst an Neueröffnungen oder an Restaurants, die gerade eine Woche auf haben. Daran habe ich am meisten Freude und solange die Beine das mitmachen, renne ich auch gerne noch lange weiter durch Städte und Straßen.
PV:
Was macht Ihr mit der Musik oder wozu dient sie?
DH:
Begleitet uns mehr oder weniger nonstop. Wobei ich fairer weise auch sagen muss, das war früher mehr. Aber ich kaufe immer noch wöchentlich Schallplatten. Wir gehen viel auf Konzerte. Wen ich zum Beispiel unbedingt mal sehen wollte war Stevie Wonder. Der hat aber Flugangst und kommt ganz selten nach Europa. Tina wusste das und so sind wir in die Rockhal außerhalb Luxemburgs gefahren, wo das halt stattfand.
TH:
Zu Elton John nach Porto oder zu Rodriguez in die New Albert Hall nach London zu reisen macht schon Spaß. Zuhause machen wir dann Plattenabende mit unseren Gästen. Und aus einem Portugalurlaub haben wir tatsächlich unseren Lieblingsradiosender mitgebracht, weil der so schöne Klassiker, Soul, Funk und Jazz spielt. In unserem aktuellen Printmagazin haben wir auch einen Blick auf die aktuelle Musikerszene in Düsseldorf geworfen.
PV:
Ihr seid die Initiatoren von THE DORF. Wer hatte denn die Idee?
DH:
Tatsächlich ist mein Spitzname schon lange Trüffelschwein.
Ich glaube, das können wir gar nicht mehr sagen. Wir haben beide unabhängig voneinander eine ähnliche Idee gehabt. Wir haben beide schon immer viel mit Menschen zu tun gehabt und als wir dann als Paar zusammengekommen sind, haben wir festgestellt, boah jetzt kennen wir fast komplett Düsseldorf. Wir hatten also ein großes Netzwerk, gemeinsame Interessen, unsere Neugier und ganz viel Lust mit THE DORF auch mal das kreative Gesicht von Düsseldorf zu zeigen.
TH:
Ganz im Gegensatz zu der herkömmlichen Außendarstellung von Düsseldorf, die sich immer nur auf die Königsallee, Glamour, Mode, und Messen beschränkte. Diese einseitige Kommunikation haben wir durch Geschichten über kreative Menschen, die hier leben und arbeiten, geöffnet. Es ist überraschend wie viele Kreative es hier gibt, die auf einem internationalen Level arbeiten. Es war uns wichtig die Gesichter zu zeigen und die Menschen zu portraitieren und zu zeigen, was für ein Potenzial es hier in Düsseldorf gibt.
PV:
Seid Ihr dann vom Erfolg überrannt worden?
DH:
Ich finde es gibt nichts Spannenderes innerhalb der eigenen Stadt als Leute aus den verschiedensten Bereichen kennenzulernen.
Überrannt würde ich jetzt nicht sagen. Aber es ist schon verdammt schön zu erleben, was man mit einem kleinen Team so alles auf die Beine stellen kann und wie viel großartiges Feedback wir kriegen. Zu Beginn, als wir dachten jetzt müssen wir langsam mal loslegen, sonst wird das nie was, haben wir nur die Facebook-Seite aktiviert unter dem Namen THE DORF und gesagt, hey wir sind jetzt da, bald geht es los. Mehr war eigentlich noch nicht. Es gab auch noch keine Webseite. Aber am nächsten Tag hatten wir schon über 1000 Fans.
PV:
​​​Aber das heißt ja auch, dass die Zeit reif war dafür.
DH:
Ja, manchmal ist der Zeitpunkt das Entscheidende. Zum richtigen Zeitpunkt mit der richtigen Idee, dem richtigen Wording und der richtigen Aufmachung kommen, dann passt es halt und ich glaube, das war bei uns wirklich so.
TH:
Die Gestaltung ist ein wichtiger Punkt. Es gibt Kollegen hier in der Stadt, Magazinkollegen, die sehr gute Inhalte haben, wo die Gestaltung aber eher gestrig ist.
PV:
Habt Ihr schon den Punkt erreicht, an dem Ihr sagt, das meiste haben wir jetzt abgegrast?
TH:
Ne, irgendwie nicht
DH:
Es gibt ja auch eine neue Generation, eine junge, alternative, kreative Szene, die man davor nicht gesehen hat, Illustratoren, Grafiker, Künstler. Es ploppt sehr viel Neues auf und es gibt viele kleine Kollektive und andere Konstellationen. Das wiederum zieht Künstler, auch Musiker an und die Szene ist hier in Düsseldorf sehr, sehr eng verbunden.
PV:
Es geht also einfach weiter?
DH:
Ja, wir sind thematisch nicht festgelegt, wir sind offen. Alles Kulturelle bis hin zur Gastronomie ist in ständiger Bewegung. Wenn man Düsseldorf mit holländischen Städten vergleicht wünscht man sich manchmal mehr Mut, mehr kleine Läden, mehr Experimentierfreude, aber das ist bei den hiesigen Mieten oft schwierig.
PV:
Seid Ihr durch Eure Tätigkeit auf irgendeinem Gebiet zu Experten geworden?
DH:
Tina ist sowieso Expertin in vielen Bereichen, Du bist ja schon seit 13 Jahren selbstständig. Bei mir ist es tatsächlich so, dass ich mehr aus dem Bauch heraus mache und ein gutes Gespür für Trends habe. Ich weiß ganz gut worauf es in der Gastronomie und im Handel ankommt und da fungiere ich unbeabsichtigt schon mal als Berater.
PV:
Kommt Ihr überall rein, wo Ihr rein wollt?
DH:
Ich glaube ja. Wobei dass für uns nie ein Grund war, THE DORF zu machen.
TH:
Wenn wir uns mal einen Kontakt nicht zugetraut haben, dann ist der später von alleine auf uns zu gekommen. Also irgendwie funktioniert das alles ziemlich gut.
PV:
Gibt es etwas Neues im nächsten THE DORF Magazin?
DH:
Ja, es wird das Thema Fotografie sein, Bestandsaufnahme, Situation, wie gut ist der Standort Düsseldorf für die Fotografie. Tatsache ist, dass wir in dieser Stadt eine Reihe wirklich großer, namhafter Fotografen haben. Obwohl wir mit dem Magazin schon sehr fotolastig sind, es auch für ein wichtiges Medium halten, wollen wir das Thema größer und konkreter aufgreifen.
PV:
Ist Euch schon mal etwas so richtig misslungen?
DH:
Wir hatten also ein großes Netzwerk, gemeinsame Interessen, unsere Neugier und ganz viel Lust mit THE DORF auch mal das kreative Gesicht von Düsseldorf zu zeigen.
Bis jetzt haben wir es immer noch nicht geschafft mit THE DORF einen Onlineshop zu realisieren. Wir haben so gute Kontakte zu Künstlern, Illustratoren, Modedesignern, die sich selber nicht so gut vermarkten können, aber großartige Sachen machen, wir haben ein paar Editionen, wir könnten also nicht nur spannende Leute und Geschichten vorstellen, sondern auch die häufig gestellte Frage beantworten: wo gibt es das denn zu kaufen?
PV:
Welcher Begriff gehört zu Euch: Idealismus oder Materialismus?
TH:
​Definitiv Idealismus.
DH:
​Sonst könnten wir das auch nicht machen.
PV:
Wie definiert Ihr Erfolg für Euch? Wann seid Ihr erfolgreich?
TH:
Wir sind relativ genügsam, was das Materielle betrifft. Wir genießen die Freiheiten, die wir in unserem Leben haben. Wir können darüber entscheiden mit wem wir arbeiten möchten und mit wem nicht.
DH:
Diesen Punkt erreicht zu haben, das ist das Schönste.
PV:
​​​Das ist doch Erfolg, oder?
DH:
Genau. Wir kriegen halt sehr viele Anfragen und da sind wir extrem picki und diese Freiheit werden wir uns auch bewahren.
PV:
Wisst ihr noch, was Ihr als Kinder werden wolltet?
TH:
Ich habe schon mit 6 oder 7 Jahren „Bücher“ geschrieben. Für mich war immer klar, dass ich im Journalismus oder der PR lande. Wörter, Sprache, Geschichten waren schon immer meins.
DH:
Also ich habe früher viel Blödsinn gemacht und irgendwelche Inszenierungen mit einem Freund. Mein Vater hatte als einer der Ersten eine Videokamera, mit der wir kleine Filmchen gemacht haben. Dann gab es die Projektwoche Japan in der Schule und ich sollte einen Film dazu machen. Da hatten wir eine Woche lang den besten Job der Welt, wir durften durch Düsseldorf rennen und japanische Restaurants und Supermärkte besuchen.
PV:
War das vielleicht der Start in Deinen heutigen Job?
DH:
Tatsächlich. Die Neugierde, das Entdecken, das Erzählen. Die VHS habe ich heute noch.
PV:
Was macht Ihr, wenn Ihr abends nach Hause kommt?
TH:
Ich koche sehr gerne. Für mich ist das tatsächlich Entspannung. Ich mag das monotone schnippeln und wir gucken gerne Serien.
DH:
Oder man geht unter Leute. Das ist bei uns ähnlich wie bei vielen so ein Jahreszeitending. Im Herbst und Winter geht man nach dem Büro nach Hause und bleibt da. Jetzt, wo die Tage wieder freundlicher sind, werden wir wieder spontan um die Häuser ziehen zu einer Eröffnung oder durch die Stadt laufen, mal gucken, was sich verändert hat, neue Restaurants ausprobieren, das übliche Spielchen machen.
PV:
​​​Und habt Ihr eine Lieblingsserie oder eine, die Ihr im Moment besonders toll findet?
DH:
Eine, die jetzt schon nicht mehr ganz so aktuell ist, die wir aber gerne geguckt haben, war NARCOS und eine Deutsche Serie fand ich überraschend gut, DER PASS hieß die.
PV:
Wie viele Mitarbeiter habt Ihr zurzeit?
TH:
Im Büro sitzen aktuell 5 Festangestellte, hinzu kommen unsere freien Autoren, unser Grafikbüro Studio Vista, die sitzen eine Minute um die Ecke rum. Die haben THE DORF gestaltet und sind von Anfang an mit dabei.
PV:
Und Freie?
TH:
Ca. 22
DH:
Es bewerben sich viele und mit fast allen, die dann freie Mitarbeiter wurden, kommen wir sehr gut aus und sie untereinander auch, was echt schön ist. Über die Jahre sind auch 2 oder 3 Jahre echte Freundschaften entstanden. Das sind Freunde geworden, mit denen wir auch andere Sachen zusammen machen und das, finde ich, ist The Best Case.
PV:
Habt Ihr denn Pläne, das Konzept auf andere Städte auszuweiten?
DH:
Nee, es gab mal ein, zwei Anfragen aus München und Hamburg. Ich glaube sogar, das Konzept als Solches könnte funktionieren, aber wir können das nicht machen. Wir machen es ja, weil wir Düsseldorfer sind und weil wir hier wirklich viele Leute kennen und hier aufgewachsen sind.
PV:
Habt Ihr mit Eurer Arbeit ein Anliegen? Ihr habt es ja schon mal angedeutet, ihr wollt das andere Düsseldorf zu zeigen, alles was abseits der KÖ passiert.
DH:
Eigentlich trifft es das ganz gut, das war die Grundidee.
TH:
Wir sind beide hier geboren, leben hier und wir lieben Düsseldorf. Und mich macht es stolz, wenn ich meine Heimatstadt in anderen Städten und auch international mal ganz anders repräsentieren kann.
DH:
Wir genießen die Freiheiten, die wir in unserem Leben haben.
Mit unserer Arbeit haben wir einiges angestoßen, auch wenn man das nicht immer belegen kann, aber man kriegt ja Input von allen Seiten. THE DORF gibt Impulse, bewegt Menschen, stößt Gedanken und Handlungen an und findet internationale Aufmerksamkeit. THE DORF ist ein festes Naming für die Stadt geworden und für Menschen, die wie wir neugierig, offen und bereit sind, sich ein neues, cooleres Bild von Düsseldorf zu machen. De facto sind viele Leute auf den Geschmack gekommen das andere Düsseldorf zu kennenzulernen und wenn sie die Anregung über uns gefunden haben, umso besser. Das ist ein gutes Gefühl.
TH:
Mir würde es gefallen, wenn wir wieder ein paar soziale Projekte anstoßen könnten.
PV:
David, du hast gesagt, dass es hier eine ganz junge Szene, vielfältige Szene gibt. Hast Du aus dem Erfahrungsschatz Deines Lebens einen Rat für junge Leute?
DH:
Da bin ich wahrscheinlich der Falsche. Ich habe auch lange gebraucht um an den Punkt zu kommen, an dem ich jetzt bin. Ich habe die Schule hinter mich gebracht, dann eine kaufmännische Ausbildung gemacht, dann ein Studium absolviert, dann im Einzelhandel den Store Manager gemacht, dann einen eigenen Laden aufgebaut, dann habe ich eine andere Idee realisiert. Mein Ratschlag lautet also: halte an deinen Ideen und Träumen fest und traue dich das zu machen wovon du träumst. Einfach machen. Was soll schon passieren.
PV:
Und Du Tina, hast Du noch einen Rat für junge Leute?
TH:
Bleibt neugierig, denn es gibt nichts Schlimmeres als Langeweile und Stillstand. Menschen, die sich so verhalten schauen nicht nach links oder rechts, sondern starr geradeaus. Doch wer sich öffnet und neugierig bleibt hat die Chance etwas zu entdecken, das sein Leben verändern kann.
PV:
Tina, David, vielen Dank für das Gespräch.
 
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