Ariane Schneider-Paffrath und Claudia Gericke

Galeristin

Ariane Schneider-Paffrath und Claudia Gericke haben sich als Galeristinnen mit Kopf und Herz der südamerikanischen Kunst verschrieben und sie nach Düsseldorf gebracht. So viel Lebendigkeit und Inspiration können sie sich in keinem anderen Beruf vorstellen.

PV:
​​​Sie haben vor zwei Jahren eine neue Galerie eröffnet mit einem sehr eigenen Portfolio. Wollen Sie bekannt oder berühmt werden?
SP:
​​Anerkannt zu sein wäre mir wichtig.
G:
​​​Bekannt, würde ich sagen, man soll uns schon kennen.
PV:
​​Anerkannt, wofür?
SP:
​​

Die Lateinamerikaner sind bei uns hier noch nicht so richtig angekommen.

​Einmal für die Einführung dieser Kunst, weil die lateinamerikanische, südamerikanische Kunst ja noch nicht so vertreten ist. Und zum zweiten dafür, dass wir junge, unbekannte Künstler mit älteren, erfahrenen und auch international anerkannten mischen. Und ich finde es anerkennenswert, dass zwei Frauen das Business machen. Das ist ja nach wie vor ungewöhnlich. Die meisten Galerien oder extrem viele werden doch immer noch von Männern geführt oder von Paaren natürlich auch.

PV:
​Woher nehmen Sie die Zuversicht, dass Sie in einem relativ besetzten Markt reüssieren werden?
G:
​Daher, dass es wirklich etwas Neues ist. Denn die Lateinamerikaner sind bei uns hier noch nicht so richtig angekommen. Das ist unsere Chance.
PV:
​Sie haben vor der Gründung eine Marktanalyse gemacht?
SP:

Wenn man etwas verkauft, verkauft man es ja auch mit seiner Persönlichkeit.

Ja, wir hatten das Ziel eine Marktlücke zu finden. Es stimmt, der Markt ist gut besetzt und auch von sehr guten Galerien. Deshalb wollten wir nicht mit großen Namen starten, für die man auch ein Riesenbudget braucht oder mit Akademieschülern, weil sich darum schon viele andere kümmern, sondern wir haben einfach gesagt, okay, gucken wir doch mal, was könnte interessant werden, was hat sich in den letzten Jahren markttechnisch gut entwickelt. Auf was für Messen können wir gehen, was gibt es da zu gucken und so sind wir eben auf Latein- und Südamerika gekommen.

PV:
​​​Wenn man in die Presse schaut hat man den Eindruck, dass Sie sich als Persönlichkeiten eher zurückhalten und die Kunst in den Vordergrund gestellt haben. Ist das beabsichtigt?
G:
​​Dahinter steckt jetzt keine Taktik.
PV:
​​Entspricht das Ihren Persönlichkeiten?
SP:
​​Uns ist die Kunst das Allerwichtigste. Aber wenn man etwas verkauft, verkauft man es ja auch mit seiner Persönlichkeit. Besonders in den Bereichen Kunst und Kultur. Da spricht die Persönlichkeit für sich.
PV:
​Sie haben das Thema schon angesprochen, eine von Frauen geführte Galerie, hat die bessere oder schlechtere Aussichten, als die von Männern geführten Galerien?
G:
​​​Vielleicht müssen wir uns noch ein bisschen was erkämpfen. Auf jeden Fall mehr als Männer das machen müssten. Dennoch kommen wir sehr gut an, würde ich sagen.
PV:
​Galeristen werden oft dafür bewundert, dass sie engen Kontakt zu berühmten Künstlern pflegen, ist das eine Motivation?
SP:
​​Ja, das macht die ganze Sache natürlich sehr lebendig und erhöht das Verständnis für die Kunst, die wir verkaufen und für uns ist jeder Künstler, den wir vertreten, natürlich auch besonders. Insofern ist es absolut wichtig, sich mit den Künstlern und deren Kunst zu identifizieren, sonst würden wir das nicht machen.
PV:
​​​Wie nähern Sie sich ihren Künstlern an?
SP:
​Wir besuchen Messen in Lateinamerika und suchen uns dann Künstler aus, über Galerien, die wir anschreiben. Wir schreiben auch direkt Künstler an. Was aber im letzten Jahr sehr stark in Gang gekommen ist, sind Vorschläge für neue Künstler von Galerien mit denen wir zusammenarbeiten und schon den einen oder anderen Künstler gemeinsam vertreten. Seit dem zweiten Jahr bewegt sich bei uns einfach viel mehr.
PV:
​Ist der persönliche Kontakt zum Künstler wichtig für Ihre Arbeit?
G:
​Ja, der ist uns beiden sehr wichtig.
SP:
​Wir kennen, bis auf einen, alle unsere Künstler persönlich, den anderen halt nur per Video. Es liegt uns viel daran, dass die Künstler zu den Openings nach Europa kommen. Was leider nicht immer gelingt. Denn auch für den Künstler ist es wichtig zu sehen wohin ihre Werke gehen.
PV:
​​​Nehmen Sie Einfluss auf die Künstler und ihre Kunst?
SP:
​Nein.
PV:
​​Auch nicht ein kleines bisschen?
SP:
​Nein, nur in der Auswahl der präsentierten Werke. Die Künstler haben ja verschiedene geschaffen und nicht alle gleich in Serie. Da sind wir natürlich schon in Verhandlungen oder im Gespräch darüber, was uns besonders gut gefällt.
PV:
​​Wären Sie selber gerne Künstlerinnen?
SP:
​Nein, ich nicht.
G:
​Doch, ich schon. Ich könnte mir ein Künstlerleben gut vorstellen. Aber dafür ist es jetzt zu spät.
SP:
​Dafür ist es nie zu spät. Es gibt welche, die haben erst mit 60 angefangen.
PV:
​​Was wäre denn das Anziehende an einem Künstlerleben?
G:
​Der Prozess, dass etwas entsteht und das Ergebnis, dass man am Ende etwas hat, das einem gefällt. Die Kreativität, die Ruhe, die Beschäftigung mit sich selbst. Ich glaube schon, dass ein Künstler das genießen kann.
PV:
​Wie künstlich ist die Kunstwelt?
SP:
Wir sind wirklich sehr gerne hier und alles macht richtig viel Spaß.

Ach, das ist unheimlich schwer zu sagen. Die Medien puschen natürlich immer gerne das Thema Preise, die sicher auch künstlich nach oben getrieben werden. Wir haben Kunden, die die Kunst kaufen, die sie schön finden, die sie berührt und mit der sie leben wollen. Daran ist nichts Künstliches. Auch wir hier empfinden unsere Galeriewelt nicht als künstlich. Natürlich sind wir noch sehr jung und unsere Künstler haben nicht die Preise, die man allgemein als hoch bezeichnen würde.

PV:
​​Was motiviert Sie?
SP:
​​Die Lebendigkeit, dieses pralle Leben, was in unserer Kunstrichtung Ausdruck findet, die vielen neuen Kontakte und die Intention, mit der die Künstler bei der Arbeit sind. Sicherlich ist das Ganze auch deshalb hoch spannend, weil wir sie aus Ländern akquirieren, die eben sehr fremd und anders sind. Dann natürlich auch der Prozess bis der Künstler bei uns in der Galerie ist. Wir akquirieren, wir suchen die Werke aus, organisieren den Transport, dann kommen die Bilder irgendwann hier an und wir stellen sie aus.
G:
​​​Das ist alles sehr spannend, aber besonders schön ist es dann, wenn wir dem Interessenten am Schluss etwas zu verkaufen, was ihm auch wirklich gefällt. Wenn daraus zufriedene Kunden werden, die immer wiederkommen, das motiviert einen immer wieder aufs Neue.
PV:
​​Kommen diese südamerikanische Farbigkeit, Lebendigkeit, Freude und Leichtigkeit gut an?
SP:

Ich finde es anerkennenswert, dass zwei Frauen das Business machen.

​Ja, das können wir wirklich sagen. Diese vibrierende Lebendigkeit hat ihren eigenen Zauber und es macht Spaß unsere Begeisterung auf unsere Besucher zu übertragen. Das ist relativ einfach, weil wir eben auch fasziniert sind von dieser Welt und weil uns die ganze Geschichte von Anfang an total beschäftigt hat.

PV:
​​​Können Sie sich vorstellen etwas Anderes zu machen?
SP:
​​​​Nein, ich nicht.
G:
​​​Nein Wir sind wirklich sehr gerne hier und alles macht richtig viel Spaß.
PV:
​​Sie haben eine wunderschöne location gefunden.
G:
​​​Das spielt sicher eine große Rolle, aber wir stehen auch hinter jedem Bild und genießen es hier zu arbeiten, jeden Tag von diesen Schönheiten umgeben zu sein.
PV:
​Würden Sie jungen Menschen empfehlen Galerist zu werden?
SP:
​​Also ich würde es nicht nicht empfehlen. Es ist Beruf wie jeder andere, er ist hart und ich glaube, dass man dafür einen individuellen Plan haben muss. Man sollte einen Plan haben und ein Ziel. Wichtig ist das Team. Ein gutes Team, so wie wir es sind, erleichtert den Alltag und es kommen die Talente und Ideen von zwei unterschiedlichen Persönlichkeiten zusammen. Generell kann ich jedem nur empfehlen, wenn du wirklich für etwas brennst, dann mach das, denn dann machst du das mit Leidenschaft, kannst dafür kämpfen und dich durchsetzen.
PV:
​​​Was ist das Harte an dem Galeriegeschäft?
G:
​Das Harte ist, dass sich auch der Kunsthandel zum Teil ins Internet verlagert hat und der klassische Kunde in Zukunft auch übers Netz kaufen wird. Insofern würde ich einem jungen Menschen nicht unbedingt empfehlen eine Galerie aufzumachen, sondern wenn er mit Kunst arbeiten möchte, es vielleicht besser übers Internet macht.
PV:
​​​Kann denn der Käufer am Rechner die Dimension eines großformatigen Bildes oder seine Farbigkeit überhaupt erfassen und erleben?
G:
​​Der Galeriebetrieb wird die nächsten 10, 20 Jahre noch bleiben, aber wir merken schon jetzt, wenn wir Bilder verkaufen, wie stark der Käufer sich schon vorab im Netz informiert hat.
PV:
​​Betrifft das die erste Sichtung?
SP:
​Ja, es gibt Art-Net und online Auktionen, bei denen man auch online bieten kann. Es gibt alle Möglichkeiten sich im Internet über Künstler zu informieren, so dass keine Lücke mehr bleibt. Früher hat das alles der Galerist gemacht, heute macht er es zusätzlich im Internet.
G:
​​Ich weiß von anderen Galerien, dass auch Käufe übers Netz passieren, sogar über Instagram. Wir bringen die Bilder noch zu den Interessenten, stellen sie hin oder hängen sie auf, um die Entscheidung zu erleichtern oder die Interessenten sicherer zu machen. Keiner weiß wirklich wie der Markt sich entwickeln wird. Mit oder ohne Internet. Glücklicherweise gibt es immer noch viele Menschen, die das Bild oder das Objekt erst einmal live sehen wollen.
PV:
Was ist denn aus ihrer Sicht das Wichtige an dem Verhältnis von Künstler zur Galeristin?
G:
​In erster Linie Vertrauen und Verständnis dafür, was der Künstler mit seinen Bildern transportieren möchte. Ich glaube, dass es dem Künstler wichtig ist, dass der Galerist versteht, was er mit seinen Werken vermitteln möchte.
PV:
​Gibt der Künstler sich dann, was den Verkauf angeht, völlig in Ihre Hand oder sagen auch welche, an eine bestimmte Klientel werde ich auf gar keinen Fall verkaufen?
SP:
​​Das entscheiden wir dann. Wir kuratieren die Ausstellungen, machen einen Katalog oder stellen Informationen zusammen.
PV:
​​​​Ist es eher selten, dass sich Käufer und Künstler kennen lernen?
SP:

Man sollte einen Plan haben und ein Ziel.

Ja, es sei denn, die Künstler sind zum Opening hier, aber dann sind es ja auch nur 2 oder 3 Tage. Wie Frau Gericke gesagt hat, ist Vertrauen das Wichtigste. Am Anfang haben wir uns sogar gewundert, dass die Künstler uns schon vorab so viel Vertrauen geschenkt haben. Als wir damals auf der Maco in Mexiko waren, hatten wir die location noch gar nicht, da haben wir nur gesagt, was wir vorhaben und schon da waren die sehr begeistert. Klar ist die Aussicht für südamerikanische Künstler nach Europa zu kommen großartig.

G:
​​Ganz am Anfang hatten wir auch eine Kontakterin. Die hat uns den Eintritt in die Kunstszene in Mexiko erleichtert.
PV:
​​​Bedarf es eines besonderen Fingerspitzengefühl, um mit Künstler-persönlichkeiten umzugehen?
SP:
​​​Manchmal ja. Bis jetzt haben wir ein, zwei exzentrische oder sehr impulsive. Da muss man halt ein bisschen Rücksicht nehmen, darf nicht ungeduldig werden. Wir sind eine gute Mischung, Frau Gericke ist sehr geduldig, ich bin eher ungeduldig. Gleichzeitig sind wir aber auch sehr unkompliziert.
G:
​​​Unsere Künstler finden es toll, dass sie von zwei Galeristinnen vertreten werden. In unserem Fall ein klarer Vorteil. Als Frauen kommen wir einfach besser an, auch weil das ungewöhnlicher ist. Am Anfang hatten wir das Gefühl, dass uns die Künstler sogar irgendwie unterstützen wollten. Das war wirklich rührend.
PV:
​​​​​​Wie oft sind Sie drüben?
SP:
​​​​Zweimal im Jahr.
PV:
​​​Wie lange bleiben Sie?
SP:
​​​​​​Maximum eine Woche und in dieser Woche absolvieren wir ein strammes Programm.
PV:
​Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg und danken Ihnen für das Gespräch.