Alexandra Iwan

Gründerin und Inhaberin der PR- und Presseagentur für strategische Lifestyle-Kommunikation „Textschwester“

Sie liebt die komplett verrückte Vielseitigkeit ihres Jobs und hat größten Spaß daran, dass dieses für sie zugeschnittene Couture-Produkt aus purer Leidenschaft besteht.

PV:
​Alex, Du bist ja auf nahezu allen wichtigen Kultur- und Wirtschafts-veranstaltungen dieser Stadt. Wie geht es Dir dabei?
AI:

Du kannst nicht als die super Small-Talk-Queen bestehen, da wirst du irgendwann verrückt.

​​Das ist mein Job. Mir geht es gut dabei, weil ich das mittlerweile sehr selektiv betreibe. Früher war ich am Abend auf drei Veranstaltungen. Jetzt geh ich wirklich nur noch dahin, wo wir die Veranstaltung machen oder weil es mich interessiert. Auch weil ich verstanden habe, dass die knappe verbleibende Zeit sehr wichtig ist und dass man Zeit braucht, um sich mit Inhalten auseinanderzusetzen. Du kannst nicht als die super Small-Talk-Queen bestehen, da wirst du irgendwann verrückt.

PV:
Wie viele von den Menschen, denen Du bei diesen Veranstaltungen begegnest, kennst du wirklich?
AI:
Was heißt wirklich kennen? Also, ich kenne die meisten schon ganz gut, denn es gibt in diesem Businesskontext immer auch privaten Austausch. Es ist wichtig, dass du weißt, wenn jemand auf so eine Veranstaltung kommt, aus welcher Motivation er kommt, was seine Vorlieben sind und dass man tatsächlich auch ein gutes privates Gespräch führen kann. Das setzt ja voraus, dass man Kontexte kennt.
PV:
Das heißt, Du hast ähnlich wie Therapeuten, ein gutes Gedächtnis für Menschen und Geschichten?
AI:
​​Gesichter und Namen kann ich mir sehr gut merken. Mir macht das einfach Spaß und ich finde das toll und spannend, sonst könnte ich das gar nicht aushalten. Ich hab ja abends folgende Situation, die Tür geht auf und es kommen 400 Leute und 300 davon sagen: „Ah hallo, wie geht’s dir denn?“ Danach weiß man halt was man getan hat. Es ist sehr inspirierend. Du nimmst immer wahnsinnig viel mit, du nimmst so viel mit, dass es auch bisschen anstrengend ist.
PV:
Du bist mit deiner Agentur und deiner Arbeit sehr erfolgreich. Folgst Du einer Philosophie oder hast Du einen Leitgedanken, der dich trägt?
AI:
Durchhalten. Niemals aufgeben.
PV:
Warum arbeitest du noch? Du könntest dich ja auf deinen Lorbeeren ausruhen?
AI:
​​​Nein, gar nicht. Das ist für mich auch keine Arbeit, denn ich kenne den Unterschied so gar nicht. Ich kenne die Orte, das ist das Büro, wobei das Büro ein bisschen so aussieht wie unser Zuhause. Es ist sehr ähnlich eingerichtet. Für mich ist das eine Welt. Es ist ja auch ein Kopf, das alles bin ich. Ich wollte immer unabhängig sein und das ist die einzige Art und Weise für mich sehr einfach auch eine gesellschaftliche Teilhabe zu haben und auf der Jagd zu sein, auf der Pirsch neue Sachen zu erleben, das ermöglicht mir mein Job. Andere müssen sich anstrengen auf Gästelisten zu kommen und ich bin mittendrin in der Salatschleuder und das finde ich einfach herrlich, das finde ich total schön.
PV:
​​​Wie viel von deinem Engagement ist Leidenschaft und wie viel ist Disziplin?
AI:
​​​Das ist eine gute Frage. Wow. Immer beides gleichzeitig wahrscheinlich. Ich bin sehr diszipliniert, aber ich bin auch genau das Gegenteil davon. Dann bin ich halt leidenschaftlich. Immer abwechselnd. Es gibt natürlich Sachen, wo ich mich ordentlich zusammenreißen muss, um Dinge zu tun. Aber ich würde sagen, dieser Beruf, dieses auf mich zugeschnittene Couture-Produkt ist aus Leidenschaft gemacht und es bietet mir die Möglichkeit sehr viele Dinge selbst zu gestalten. Dadurch wird der Disziplinanteil geringer.
PV:
​​Wie ist dir der Spagat zwischen Familie und Beruf gelungen?
AI:
​​

Dieser Beruf, dieses auf mich zugeschnittene Couture-Produkt ist aus Leidenschaft gemacht und es bietet mir die Möglichkeit sehr viele Dinge selbst zu gestalten.

​​Weiß ich nicht, ob der jemals gelingen kann. Ich bin das schlechte Gewissen auf zwei Beinen, das werde ich nie los und es ist einfach total schwierig. Meine Firma ist langsam gewachsen, weil ich auch immer super viel Zeit mit den Kindern verbracht habe und Gott sei Dank haben die Kinder keinen Dachschaden. Mir kann niemand vorwerfen: „Guck mal hier, diese Rabenmutter, die hat immer nur gearbeitet.“ Das ist in Deutschland ein schwerer Vorwurf. Es ist sehr ambivalent als Frau diesen Weg zu gehen. Ich habe unter dem Hochbett im Kinderzimmer angefangen zu arbeiten, dann zu Hause in einem Büro und dann war die Agentur in meinem Zuhause und da haben mein Mann und die Kinder irgendwann gesagt, die würden das nicht mehr aushalten, dass unser Zuhause gar kein Zuhause mehr ist und dann bin ich mit der Agentur und meinen ersten sechs Mitarbeitern auch ausgezogen. Das war dann unerwartet schwierig, weil ich nicht mehr mit den Kindern zusammen sein konnte. Aber ich habe auch verstanden, dass Teilzeitarbeit keine Lösung sein würde. Ich komme ja aus einer sehr elitären Politik- und Wirtschaftsberatung und als meine Mutter nicht mehr auf das Kind aufpassen konnte und ich dann einen Teilzeitjob gemacht habe, war das die furchtbarste Zeit in meinem Leben. Weil du dann gar nichts mehr richtig machst. Du bist nicht wirklich bei den Kindern, du bist nicht bei dir selber und du machst keinen guten Job. Wenn du aber die Möglichkeit hast deine Arbeit zu machen und mit den Kindern zusammen zu sein, dann machst du halt alles langsamer, aber dafür hast du auch Beides.

PV:
​​​Das sieht nach einem erfüllten Leben aus, ist das so?
AI:
​​Absolut
PV:
Was gehört deiner Meinung nach dazu?
AI:
Der Wunsch und der unbedingte Wille es zu erreichen.
PV:
​​Trotz Familie, trotz Beruf findest Du noch die Zeit Dich in Initiativen zu engagieren, wie zum Beispiel die Salonieren oder jetzt bei dieser I-WILL-Geschichte. Sind Frauen im Beruf ein Thema?
AI:
​​

Ich finde es gut, sich gesellschaftlich zu engagieren.

​Mit dem Salon, den wir zehn Jahre lang gemeinsam gemacht haben, Nicola Knüver, Silke Niehaus und ich, wollten wir in der Gesellschaft sichtbarer werden und mit einem weiblichen Themensetting und einer anderen gedanklichen Herangehensweise eine Verbindung zwischen Wirtschaft und Kultur schaffen, auch um das Frauenthema einmal anders darzustellen. Das haben wir gemacht, weil wir viel und gut zusammenarbeiten, nicht weil wir postfeministisch denken. Die andere Geschichte mit I-WILL, das habe ich jetzt gerade gestern Abend gemacht. Da geht es darum, dass Frauen durch ein sehr spezielles Mentoring-Programm in Konzernen unterstützt werden sollen. Ich finde es gut, sich gesellschaftlich zu engagieren, und wenn ich gefragt werde, dann mach ich das auch und häufig ist es so, dass ich dann entweder Unternehmen reinbringe oder für die die Pressearbeit mache. Das mache ich auch für Wolfgang Sohn und seine Foto-Popup-Fair oder die Digitale. Das sind tolle Kulturthemen, also nicht nur Frauen, sondern es sind einfach Themen, die mich interessieren. Aber grundsätzlich ist es so, dass mir oft Frauen in den Jobs fehlen. Dann denke ich mir, wo sind die? Was machen die?

PV:
​​​Wo siehst du deine Stärken?
AI:
​​​Im Durchhalten.
PV:
Und was magst du an deiner Arbeit am liebsten?
AI:

Menschen brauchen Menschen. Kommunikation ist nichts anderes.

​Die komplett verrückte Vielseitigkeit. Jeder Tag bietet etwas Neues. Ich habe überhaupt gar keine Routine, obwohl ich sie vielleicht auch gerne hätte. Aber es ist schon extrem abwechslungsreich. Das finde ich super.

PV:
​​​​Jetzt wird ja sowohl der klassische Journalismus als auch die Kommunikationsarbeit immer wieder totgesagt. Siehst du das auch so?
AI:
​Die Auftragsbücher sind voll und die Leute brauchen den engen Kontakt zu Menschen, die sie auch zu extrem komplizierten, hochverdichteten Themen beraten können. Und da wir ja Berater in einem sehr speziellen Feld sind, wird das einfach nie aussterben. Menschen brauchen Menschen. Kommunikation ist nichts anderes.
PV:
​​​Würdest du jungen Menschen empfehlen in diesen Bereich zugehen?
AI:
Ja, ich habe ein junges Team, die lieben ihre Arbeit. Die machen auch neue Geschäftsfelder auf, dies ganze Thema Influencer, Relation und so weiter, das macht die junge Garde.
PV:
​​​Gibt es Eintrittsvoraussetzungen in diesem Beruf?
AI:
Ja, das ist der unbedingte Wille nah beim Menschen zu sein und zu kommunizieren. PR machst du nicht hinterm Schreibtisch. Man muss schon raus in die freie Wildbahn und Bock haben, am Eingang zu stehen und 400 Leuten Guten Tag zu sagen. Da darfst du halt nicht scheu sein.
PV:
​​​Muss man sich innerlich darauf vorbereiten, so vielen Menschen zur Verfügung zu stehen? Das ist quasi Dein Naturell?
AI:
​Ja. Das ist so. Ich find das schön. Wenn du 400 Leute auf einmal hast, musst du dich weniger verabreden.
PV:
​​​Hast du generell einen Rat an junge Menschen, was das Leben betrifft?
AI:
​Ach, einfach machen. Gucken, wer man ist und dann machen. Und bloß nicht so viel auf Andere hören, einfach das machen, woran man Spaß hat. Das ist echt das Allerbeste. Ausprobieren.
PV:
​​​Schaust du zurück oder nach vorne?
AI:
Immer nach vorne, ich habe auch total vergessen, was dahinten war. Ich kann mich gar nicht erinnern. Ich habe auch gar kein Zeitgefühl, mir bleibt nichts anderes übrig.
PV:
​​​Was ist den dein nächstes Ziel?
AI:
Ich habe ein paar private Ziele, an den ich jetzt gerade schraube. Wir bereiten eine große WG vor, ein neues Lebensmodell in Frankreich, das ich sehr spannend finde. Also so ein zweites Standbein. Zusammen mit Freunden haben wir immer davon geträumt so eine Art Kommune zu haben als neues Lebensmodell. Immer neue Sachen ausprobieren, das finde ich halt total gut. Und beruflich haben wir gerade eine zweite Agentur gegründet mit dem Fokus Immobilien und Lifestyle. Da gibt’s auch noch genügend zu tun. Vielleicht ist mein Vorsatz einfach, mein eigenes Tempo gut zu überleben, und gesund zu bleiben, wäre vielleicht nicht schlecht.
PV:
​​​Eine Frage noch zu einem Mohammed Ali Zitat, das in Deiner Agentur hängt: Ist er Dein Vorbild?
AI:
Ich finde den so großartig. Es gibt überhaupt gar keinen besseren Texter. Das Zitat, was da an der Wand hängt, habe ich aus einem Video mitgeschrieben. Mohammed Ali sagte das auf einer Pressekonferenz 1972, wo er seinem Gegner, George Forman versucht hat, verbal Angst zu machen. Der spricht ja total in Bildern und das musst du ja erst mal können. Das ist ganz hohe Kunst, die ich komplett faszinierend finde.

Ich bin gefährlich. Hab Bäume gefällt, hab etwas Neues für diesen Kampf getan. Hab mit einem Alligator gerungen, hab mit einem Wal gerangelt, dem Blitz Handschellen angelegt, den Donner ins Gefängnis geworfen. Das ist gefährlich. Letzte Woche habe ich einen Fels umgebracht, einen Stein verletzt, einen Ziegel ins Krankenhaus geschickt. Ich bin so fies, dass ich Medizin krank mache.

Muhammed Ali

PV:
Alex, vielen dank für das Gespräch.
 
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