Danilo Vrtacic

Schreinermeister

Danilo Vrtacic ist Schreinermeister, steht morgens freudig auf und hat am liebsten Aufgaben, von denen man sagen könnte, je schwieriger desto besser.

PV:
Was hat dazu geführt, dass Sie Schreiner werden wollten?
DV:
Schon mein Opa war selbständiger Schreiner. Danach war ich der Erste, der schon im Kindesalter gespürt hat, dass er gerne mit Holz arbeitet. Alles, was ich als Kind gemacht habe war kreativ. Ich habe Holzkisten meiner Oma umgebaut, sehr viel gemalt und zuerst gedacht, dass ich Architekt werden würde. Aber als ich ein Praktikum gemacht habe, hab ich gemerkt, dass das nichts für mich ist. Ich brauche etwas, wo ich mit den Händen arbeiten kann. Über einen Freund kam ich an die Adresse eines Schreiners. Das habe ich ausprobiert und war sofort Feuer und Flamme. Auch der Meister meinte, ich sollte auf jeden Fall eine Lehre bei ihm beginnen, weil er ebenfalls Potential in mir gesehen hat.
DV:
Wo steckt denn das Potential? In der Kreativität oder in der handwerklichen Arbeit mit dem Holz?
PV:
Holz lässt viel Kreativität zu und Freude an dem was man geschaffen hat.

Das Holz war für mich ein sehr guter Werkstoff, weil ich gemerkt habe wie viel ich damit machen kann. Das hat sich Stück für Stück entwickelt. Ich hatte einen guten Gesellen in der Schreinerei, der mir viele Sachen gezeigt hat, die er selbst gebaut hat. So kam es, dass ich nach der Arbeit Sachen für mich entworfen und gebaut habe. Holz lässt viel Kreativität zu und Freude an dem was man geschaffen hat und Freude der Menschen für die man etwas gemacht hat. Ich finde Schreiner ist ein schöner Beruf. Ich stehe morgens gerne auf. Wenn eine schwere Arbeit anliegt, die mit viel Zeitaufwand und viel Geduld verbunden, also nicht so leicht für mich ist, habe ich mehr Spaß dran, als wenn es etwas Leichtes, Einfaches ist. Ich kann mich in dem Schwierigen besser ausleben. Das merke ich immer wieder. Da macht es noch mehr Spaß als sonst, morgens aufzustehen und zur Arbeit zu gehen, denn ich weiß, da steht jetzt eine Aufgabe an, die ich noch lösen muss.

PV:
Was sind die Herausforderungen des Schreinerberufs heute?
DV:
Es braucht Vorstellungskraft, ein Bild im Kopf.

Den Leuten den Wert eines selbst gebauten Stückes zu vermitteln und zu zeigen, dass man, wenn man etwas mehr Geld investiert, ein Stück fürs Leben hat, an dem man sich lange erfreuen kann. Bei Möbelhauskunden sehe ich einfach, dass sie die Wertschätzung für das Handwerk verloren haben. Sie sehen nur noch die Masse der Angebote, den Preis und die Geschwindigkeit, mit der sie die Teile bekommen können. Aber sie haben nichts mehr woran sie sich erfreuen können. Das Einzige woran sie vielleicht noch Freude haben ist, wenn sie etwas selber zusammenbauen müssen. Heute wird es immer schwerer Leute davon zu überzeugen, dass Handwerk etwas Tolles ist, dass etwas Individuelles geschaffen werden kann und dass dahinter ein Experte steht, der das auch machen kann, so dass nicht irgendwo von der Stange gekauft werden muss.

PV:
Viele Menschen sagen, dass sie gerne mit Holz arbeiten würden. Was braucht man für Voraussetzungen, um das Schreinerhandwerk aus-üben zu können?
DV:
Ich denke, das erste ist räumliches Denken. Sich Sachen vorstellen zu können, wie aus einem rohen Klotz ein fertiges Produkt werden kann. Es braucht Vorstellungskraft, ein Bild im Kopf. Und zweitens, um ein Handwerk ausüben zu können, darf man keine zwei linken Hände haben. So einfach ist das.
PV:
Muss man sich mit Materialien nicht auskennen?
DV:
Nein, den Lehrlingen wird beigebracht, was es an Materialien gibt, wie sie bearbeitet werden, wie man sie verändern kann. Alles Andere muss der Lehrling auch durch eigenes Wollen erkennen. Ich kann ihm viel zeigen, aber von seiner Seite muss der Wille da sein Sachen, die ich ihm beibringe, aufzunehmen und umzusetzen. Ich kann einem Lehrling vieles erklären, aber zu guter letzt muss er das auch umsetzen können.
PV:
Gibt es etwas worauf Sie besonders stolz sind?
DV:
Auf meinen ganzen Lebensweg, dass ich den Schreinerberuf gelernt habe, dass ich den Mut hatte den Meister zu machen, in der Abendschule neben der normalen Arbeitszeit, dass ich nie aufgehört habe mir neue Ziele zu setzen, mich neuen Aufgaben zu stellen. Ich habe vor kurzem geheiratet, habe einen Sohn bekommen. Das ist viel Verantwortung. Ich habe mit meiner Familie ein Haus gekauft und es komplett umgebaut. Ich denke, dass ich darauf stolz sein kann. Ich habe es einfach gewagt. Das ist das Schöne.
PV:
Hat Handwerk heute noch goldenen Boden?
DV:
Nicht mehr. Die Leute, die unsere Firma kennenlernen, schätzen uns auch sehr, weil sie sehen wie wir arbeiten, dass wir unser Bestes geben und unser Können immer wieder unter Beweis stellen, so dass unsere Kunden auch wirklich das Beste bekommen. Ich würde mich freuen, wenn die Leute das Handwerk wieder mehr schätzen würden und nicht denken, dass es den meisten Handwerkern nur ums Geldverdienen geht und darum, möglichst viele Kunden einfach nur abzufertigen. Das ist bei unserer Firma nicht der Fall. Ich bin sehr froh, dass ich hier im Atelier für Holzbearbeitung bin, weil mein Chef jemand ist, der uns allen Spielraum gibt, so dass wir unsere eigene Kreativität einbringen können. Die Kunden sind alle zufrieden. Wir kriegen Kundenmails, die Zufriedenheit und Lob ausdrücken. Da macht es dann viel Spaß sich immer weiter zu entwickeln und noch besser zu werden.
PV:
Haben Sie Pläne für die Zukunft?
DV:
Ich würde mich freuen, wenn die Leute das Handwerk wieder mehr schätzen würden.

Wenn man hört, was ich alles schon gemacht habe, ist das schwer. Ich bin für alles offen. Ich bin hier als Meister angestellt. Ich merke, dass der Drang immer größer wird, vielleicht auch irgendwann selbständig zu sein, weil ich das Handwerk weiterbringen möchte. Wir hier engagieren uns schon sehr. Wir nehmen jedes Jahr einen Lehrling auf. Wenn ich mal alt und gebrechlich bin, möchte ich sagen können, ich habe das Handwerk, das was ich kann, mehrmals weitergegeben.

PV:
Würden Sie tauschen wollen mit irgendeinem anderen Beruf?
DV:
Hatte ich schon mal überlegt, aber ich kann es mir nicht vorstellen. Ich glaube nicht, dass es einen Beruf gibt, neben meinem, der mir jeden Tag gleich viel gibt wie der jetzige Beruf.
PV:
Es hat schon seinen Wert am Ende des Tages sehen zu können was man geschafft oder erschaffen hat.
DV:
Genau. Ich freue mich jeden Tag, wenn ich einen Auftrag beendet habe, wenn man ein Objekt hinstellt, an dem alles perfekt ist und das super aussieht, genauso, wie man sich das im Kopf vorgestellt hat. Wenn der Kunde dann auch zufrieden ist, gehe ich einfach glücklich nach Hause.
PV:
Gibt es etwas, von dem Sie gerne noch viel mehr machen würden?
DV:
Eigentlich nicht. Das Schöne an dieser kleinen Firma ist, dass wir wirklich alles machen. Von Schränken, Tischen, Regalen, Fenstern, Einbauten, Treppen bis hin zu Reparaturen machen wir alles. Das Schöne ist, wir sind nicht festgelegt. Ich lerne immer wieder etwas dazu.
PV:
Wenn Ihr Sohn sagen würde, ich möchte auch Schreiner werden. Was würden Sie sagen?
DV:
Ich würde mich freuen und ich würde ihn dann natürlich auch unterstützen. Ich würde mich freuen, wenn er dann auch auf so eine gute Firma trifft, wie ich hier das Glück hatte. Es würde mich sehr freuen, wenn ich das Handwerk in der Familie weitergeben könnte.
PV:
Würden Sie es auch anderen jungen Leuten empfehlen?
DV:
Ich habe das über die Jahre gemacht, immer wenn wir Lehrlinge ausgebildet haben. Bis heute. Ich würde denen immer sagen, kommt zu uns. Wir sehen uns eure Fähigkeiten an und wenn wir Potential sehen sagen wir auch: machen. Wir sagen aber auch, wenn wir kein Potential sehen, denn dann ist es besser etwas anderes zu machen und damit zufrieden zu werden. Das Schöne ist aber, dass wir die Möglichkeit haben jungen Leuten den Weg zu ebnen.
PV:
Wohin könnten Sie sich noch verändern, neben einer Selbständigkeit?
DV:
Beim Umbau meines Hauses habe ich festgestellt, dass die Pro- jektleitung, die Koordinierung der verschiedenen Gewerke, auch Spaß machen kann, weil ich mich da in die andere Gewerke reindenken musste. Das war spannend und schwierig zugleich. Da kam ich wirklich mal wieder an meine Grenzen. Das hatte ich zuletzt zur Meisterschulzeit. Danach habe ich gemerkt, dass alle anderen Projekte einfach leicht waren. Ich bin eben der Mann für die schwierigen Sachen.
PV:
Danilo, vielen Dank für das Gespräch.

http://www.schmidt-duesseldorf.de